Wie lange soll man die Brust geben?
Dieses Thema ist sehr emotionsgeladen und keineswegs kann die Frage eindeutig beantwortet werden. Es gibt durchaus glaubwürdige Argumente für ein langes Stillen bis ins Kleinkindalter, aber die Argumente von Stillgegnern sind auch nicht zu überhören – es ist gerade für berufstätige Mütter leider schwierig, länger als sechs Monate zu stillen. Werbung und Industrie sind daran nicht ganz unschuldig, denn seit gut 30 Jahren wird den Frauen suggeriert, dass künstlich hergestellte Milch mindestens ebenso gut sei wie Muttermilch. Das ist allerdings fragwürdig.
Stillen nach dem Rhythmus des Kindes
Kinder werden nicht als völlig unbeschriebene Blätter geboren. Bereits im Mutterleib konnte die Natur ohne ärztliche oder elterliche Kontrolle hervorragend für ein gutes Wachstum der Kinder sorgen, sie entschieden selbst über Schlaf- und Wachphasen und haben das auch zu ihrem Besten hinbekommen – sollten die Kinder das mit der Geburt ganz plötzlich alles verlernen? Nein, natürlich nicht. Kinder sollten essen und trinken, wenn sie Hunger bzw. Durst haben. Das gilt für Flaschenkinder ganz genauso wie für Brustkinder, und die meisten schaffen es hervorragend, genau das zu bekommen, was sie brauchen. Ohne Vierstundenrhythmus, Schnuller und extra sättigende Zusätze. Ebenso wissen die Kinder ganz gut alleine, wann sie Lust auf “richtiges Essen” haben. Jedes Kind ist zu einem anderen Zeitpunkt soweit, dass es unbedingt probieren will, was Mama auf dem Teller hat – Mama darf das zulassen! Fingerfood wie ungesalzene Nudeln, Kartoffelstücke und weiches Gemüse dürfen ab einem Alter von etwa 4 Monaten in den Kindermund wandern. Aber nur, wenn das Kind selbst es will.
Schluckreflexe
Kinder haben einen angeborenen Reflex, alles mögliche in den Mund zu stecken und das Zeug dann mit der Zunge wieder herauszuschieben. Dieser Reflex hat den Sinn, dass sie nichts aus Versehen verschlucken. Kinder, die zu früh mit Brei gefüttert werden, bekommen ihn abtrainiert. Der Löffel muss die Zunge beim Füttern nach unten drücken, damit der Brei im Mund bleibt. Ein Kind, das zum Essen bereit ist, wird sich das Essen selbst in den Mund schieben und darin behalten, wenn es mundet. Welche Nahrungsmittel für Babies geeignet sind, das weiß jede Hebamme. Fertig angerührte Breis von den handelsüblichen Marken brauchen die Babies jedenfalls nicht zwingend, denn wer Babykekse und Früchteriegel lutschen kann, der kommt auch mit einer Pellkartoffel klar. Dieses Prinzip, auf die natürlichen Signale und Bereitschaften der Kinder zu achten und ihnen ein bisschen Selbstbestimmung hinsichtlich der Nahrungsaufnahme zuzutrauen, wird mit dem englischen Begriff Baby Led Weaning bezeichnet.
4 Monate, 6 Monate, 1 Jahr?
Es ist ganz unterschiedlich, wie lange Kinder stillen wollen und die mütterliche Milch und Nähe brauchen. Solange die Mutter genügend Milch hat (eine ausgewogene Ernährung sorgt dafür), gibt es keinen einzigen Grund, auf künstlich hergestellte Ersatzmilch umzusteigen, denn die Zusammensetzung der Muttermilch ist für die Kinder perfekt. Während manche Babies bereits im Alter von 4 Monaten Milch verweigern und lieber Brot, Banane und gekochte Möhrchen mampfen, wollen andere mit einem Jahr noch wenigstens zweimal täglich gestillt werden. Das ist völlig in Ordnung und medizinisch ebenso unbedenklich wie psychologisch. Allgemein empfohlen wird eine Stillzeit von 6 Monaten, um Allergien und Unverträglichkeiten bestmöglich vorzubeugen.